Bayreuther Unikate

 

Und viele wissen das gar nicht zu schätzen - Porträt eines Bayreuther Originals


Zum vergrößern anklicken (Foto: Kurier 2004)
Wer ist er? Er trägt manchmal schwarze Lederhosen zu einer schwarzen Lederjacke mit langen Fransen und dazu eine schwarze Schirmmütze mit goldenem Adler. Bevorzugt allerdings – aber nur bei Sonnenschein – seinen weißen Anzug mit Schlaghosen, großem Kragen und allerlei Zierrat. An seinen Fingern funkeln goldene Ringe mit rot, blau, bunten Steinen. Wer ist er? Na klar: Elvis! Der lebt nämlich, mitten unter uns, in Bayreuth. Heißt im wirklichen Leben Manfred Scheler, ist 51 Jahre alt, sehr höflich, ein wenig schüchtern und zurückhaltend. Möchte sich nur ungern vom KURIER zu einem Kaffee einladen lassen. Von einem „Devil in disguise“, einem „verkleideten Teufel“, also keine Spur – der Kerl ist einfach furchtbar nett.

Elvis, der King of Rock´n Roll, der ist tatsächlich sein großes Idol. Vor allem, was die Garderobe anbelangt. „Als erstes ist mir auf dem Plattencovern sein Kleidungsstil aufgefallen“, sagt er. Das war vor vielen Jahren. „Die Klamotten sind einfach außergewöhnlich. So exklusiv“, sagt er, lacht dabei wieder so freundlich und nippt ein wenig an seiner Cola. „Ganz nach meinem Geschmack halt.“

Zum vergrößern anklicken (Foto: CDPIX)Leisten kann er sich diesen exklusiven Geschmack nicht. Seine Tante, die Tante aus Amerika, die schickt ihm regelmäßig was neues Schickes aus tollen Boutiquen in den Staaten. Manfred Scheler selbst war noch nicht in den USA. Also auch nicht in Graceland, Memphis. Leider. „Manche halten mich für einen Spinner.“ Wieder dieses Lachen. „Gerade haben mir so junge Mädels fünf Cent hingeworfen und mich an der Backe getroffen.“ Egal ist ihm das nicht, das merkt man. Aber er steht darüber. Schließlich tut er nichts Verbotenes. „Ich zieh mich einfach nur an, was mir gefällt.“ „Das sieht schon immer gut aus, wie er rum läuft.“ Ein junger Mann am Nebentisch des Cafes hat das Gespräch verfolgt. Peter heißt er, löffelt sein Eis und schaut Manfred Scherer an. „Der versteckt sich nicht, steht dazu, was er mag. Das find ich cool.“Derweil beginnen am anderen Nebentisch kleine Mädchen in Verkleidung von jungen Frauen zu kichern. Und Peter, der 21-Jährige, sagt: „Ich glaub, die Leute, die ihn blöd anmachen, die sind einfach nur neidisch. Weil er sich traut, zu sich zu stehen.“ Manfred lacht Peter an, nennt ihn seinen Kumpel.

Zum vergrößern anklickenManfred Scheler hat sieben Overalls, sechs Jacken mit großen Kragen, 15 Lederjacken. Heute hat er die Jacke mit dem schmucken Weißkopfadler an. „Echtes Fell“, sagt Manfred Scheler. Und fährt mit der Hand über den samtweichen Vogel. Was würde er Elvis, sein Vorbild, fragen, wenn der leibhaftig vor ihm stünde? Manfred Scheler überlegt kurz. „Von welchem Schneider er seine Klamotten machen lässt.“ Pause. „Wie viele Kleidungsstücke er hat. Und wie teuer das war.“Dabei steht er, versteht sich, auch auf die königliche Rockmusik. „All shook up“, den Song vom King hat er schon mal bei Karaoke-Veranstaltungen gesungen. „I can´t help falling in love“, das Lied findet Manfred Scheler auch sehr schön. 400 Platten besitzt er. Und Peter ist schon wieder begeistert. Weil er DJ ist. Manfred Scheler hat keine CD´s – sondern echte, gute, alte Platten! „Es lebe Vinyl“, freut sich Peter.

Zum vergrößern anklickenEr hat schon viel Ärger gehabt, unser Elvis. Er erinnert sich an Zigarettenkippen, die sie ihm in der Disco an den schönen weißen Overall geschnippt haben. Und Peter wird richtig sauer, als er das hört. „Das Problem, schimpt er, „ist die ignorante Gesellschaft. Jeder, der ein wenig aus der Norm fällt, ist gleich verrückt.“ Manchmal ist der Bayreuth-Elvis auch in Nürnberg. „Da sind die Leute nicht so spießig. Da sind sie lockerer.“ Großstadt halt. „Hier bist du immer und überall Idiot.“Sein edelstes Kleidungsstück, das hätte er fast vergessen. „Ich hab ja auch noch einen goldenen Brokatanzug!“ Den, sagt er, den könnte er jetzt mal wieder aus dem Schrank holen und in die Reinigung bringen. Und seine Haare, die jetzt grau-blond sind, die will er mal wieder schwarz färben. „Blauschwarz.“ Er steht auf Elvis Klamotten. Auf Rock und Soul. Weniger auf Volksmusik. Und noch weniger auf Leute, die ihn ärgern.

Wer ist er? Ein echtes Bayreuther Original. „Bleib so, wie du bist!“ ruft ihm Peter zum Abschied zu. Elvis lacht. „Tschüss mein Freund, wir sehen uns!“


  • Bericht von Kathrin Walther  / Nordbayerischer Kurier 2004


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